Kuba - als wäre die Zeit stehen geblieben

Meine Reiseroute:
Varadero (1 Tag) - Santa Clara (2 Tage) - Trinidad (4 Tage) - Cienfuegos (2 Tage) - Vinales (2 Tage) - Havanna  (3 Tage) - Matanzas (1 Tage) - Varadero (Rückflug)

 

Wir landen an einem sonnigen Mittag auf Kuba und während das Flugzeug über der Insel kreist, sehe ich weitläufig dichtes grünes Land, nahezu Regenwaldähnlich, viele Flüsse und Seen. Das Land scheint unberührt, meine Freude auf das Land steigt umso mehr...

 

Angekommen in Varadero, erleide ich doch tatsächlich einen  kleinen Kulturschock. Alte Amerikanische Autos rasen an einem vorbei, die Fassaden der Häuser ausgeblichen und sporadisch mit Farben angemalt. Männer und Frauen sprechen uns permanent an und versuchen ihr Glück im Verkauf von allem was der Tourist so braucht. Taxifahrten, Telefonkarten, Liebe! 
Vergebens suchen wir einen Supermarkt, doch weit und breit keine Möglichkeit etwas zu kaufen, außer Souvenirs und Strandtücher. Wir gehen ins erstbeste Lokal der Stadt und merken schnell, hier läuft die Welt ein Gang langsamer ab. Auf Kuba braucht man viiiiiiel Zeit...! 

 

Nach der anfänglichen Berührungsangst und ein paar erlernten spanischen Sätzen entfaltete sich Kuba in vollen Zügen. Es bedarf auf Kuba manchmal einen zweiten, liebevollen Blick um die versteckte Schönheit zu erkennen. Wer aber genau hierfür bereit ist, wird von Kuba nicht enttäuscht werden. 

 

Wo übernachtet man? 

Wir übernachten in Casa particulares, einer Art Bed and Breakfast, da diese überall im Lande angeboten werden. Man kann wählen ob man ein Zimmer anmietet oder eine ganze Wohnung. In der Regel wird das Frühstück mitgebucht, da dies eine kleine Zusatzeinnahme für die Vermieter ist. Optional können auch alle anderen Mahlzeiten dazugebucht werden. 

Als wir das erste Frühstück in unserer Casa bekommen fragen wir uns, ob die ganze Familie mit uns essen würde. Wir bekommen so viel, dass wir uns für den gesamten Tag eindecken konnten. Die überschwängliche Gastfreundschaft der Kubaner ist unglaublich herzlich. Jeder fühlt sich hier zuhause, versprochen! 

Unterkünfte können entweder vorab gebucht werden auf: Online-Buchung 

oder vor Ort gefunden und angefragt werden. Hierzu sucht man sich einfach ein Haus mit dem blau-weißen Casa Schild und fragt nach, ob noch etwas frei ist. Meist kann hier auch noch am Preis verhandelt werden. 

Alternativ kann man sicher auch in Hotels wohnen, die auf Booking.com oder Agoda.com gebucht werden können. 

 

 

Bus, Taxi oder Mietwagen? 

 Sich auf Kuba fortzubewegen ist relativ einfach. Man wird zudem an jeder Ecke gefragt ob man ein Taxi benötigt. Wer sich hierfür entscheidet, sollte die Preise unbedingt im Vorfeld verhandeln! Für den Viazul-Bus am besten ein paar Tage vorher per Website buchen oder direkt am Schalter. 

In Varadero kaufen wir uns ein Viazul Busticket nach Santa Clara, und sind erstaunt über den modernen, vollklimatisierten und vor allem pünktlichen Bus.


Alternativen sind das fahren in einem Kollektivtaxi, bei dem sich so viele Personen zusammenschließen bis das Taxi voll ist. Das Taxi fährt erst los, wenn auch wirklich jeder Platz besetzt ist. Wenn nicht, kreist der Fahrer so lange die Straßen ab, telefoniert hin und her, bis auch der letzte Platz vergeben ist.
Bei längeren Strecken gibt es Treffpunkte (meist Raststätten) an denen man in größere oder kleinere Autos/Busse steigt. Diese sind meist an Stadtgrenzen gelegen. 

Ein Mietwagen kommt für uns nicht infrage, da dies die teuerste Option ist und es sich nur rentiert, wenn man das Auto voll hat. Zudem ist es sehr schwierig ein Auto zu mieten, da die geringe Anzahl an neuen Mietwagen schnell vergriffen ist! 

Wir wechseln immer zwischen Kollektivtaxi und Bus nach Lust und Laune hin und her.

Santa Clara

Berühmt berüchtigt für das Mausoleum Ernesto "Che" Guevaras, in das 1997 seine Überreste aus Bolivien überführt wurden, sowie das Che Museum und seine Statue.

Der Stadtkern ist sehr klein und man kann sich immer gut am Marktplatz  orientieren, von dem viele Straßen abgehen. Das Mausoleum kann man problemlos zu Fuß erreichen und kommt dabei noch an ein paar netten Cafes und Restaurants vorbei. Das Mausoleum und das Museum können kostenlos besucht werden. 

 

Trinidad, meine absolute Lieblingsstadt!

Die Stadt ist wunderbar bunt, klein, nett und hat nebenan einen atemberaubenden Nationalpark, namens Topes de Collantes. Hier kann man verschiedene Touren über diverse Reiseveranstalter buchen. Wir entscheiden uns für die Tour mit Cubatur durch die Tabak-und Kaffeebohnenfelder mit Wanderung zu einem tollen Wasserfall.

Abends trifft man sich auf den Treppen der Casa de la Musica. Ein Treffpunkt für Jung und alt. Es wird zu kubanischer Musik getanzt und Mojitos geschlürft, bevor die Massen sich in die Las Cuevas- Disko-Höhle Ayala bewegen. Dort feiern Einheimische und Touristen bis zum Morgengrauen in einer Tropfsteinhöhle. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!!

 

Für Trinidad kann man ruhig 4-5 Tage einplanen, da es viel zu sehen gibt! 

 

Cienfuegos 

Leider waren wir nur zwei Tage in Cienfuegos und konnten die Stadt nicht richtig besichtigen, da es die meiste Zeit geregnet hat. Zudem war in keiner Stadt auf Kuba, der Strom so oft ausgefallen wie hier. Erstaunlich, dass die Kubaner auch beim vierten Stromausfall des Tages keinerlei aus der Fassung zu bringen sind. Wir nutzen die Zeit für Erholung und plaudern mit unseren "Casa-Eltern" auf der Veranda. Hin und wieder spielen wir mit den Nachbarskindern, auf die wir wie fremde einer anderen Welt stammen. Noch nie zuvor haben sie eine Handykamera gesehen, geschweige denn Fotos von sich in digitaler Form. 

 

 Wilfredo unser "Casa-Papa" spricht erstaunlich gut Englisch und erzählt uns, wie er für das Essen jeden Tag stundenlang durch die halbe Stadt muss, weil es keine Großmärkte gibt und man in manchen Geschäften nur ein paar Lebensmittel bekommt. In einigen Bäckereien gibt es nur drei verschiedene Sorten Brot, für die er sich morgens um 6 Uhr anstellen muss. Unglaublich mit welch eine Kondition die Kubaner täglich benötigen um Lebensmittel für sich und ihre Gäste zu besorgen. Einige Ausgabestellen haben nach wie vor Rationierungen vorgeschrieben, die den Einheimischen vorgibt, wie viel gekauft werden darf! 

 

Die beiden Tage Erholung tuen uns gut, wir sind viel reicher an Erkenntnissen und führen unsere Fahrt weiter ins Vinales Tal fort. 

 

 

Vinales Tal 

Wer denkt er hat Kuba kennen gelernt ohne das Vinales Tal gesehen zu haben liegt leider falsch!
Ein unglaublicher Kontrast zu den bisher gesehen Städten und zur Landschaft. Es ist bergig, sehr grün und entspannt. 
Trotz vieler hundert Casas an der Hauptstraße wirkt die Stadt entschleunigend. Kleine Gebäude, Cafes und Restaurants, die ihre Veranda zur Straße ausgerichtet haben. Entspannte Touristen trinken Mojitos und Essen Tapas. Da man nicht allzu viel bestaunen kann sitzen wir meist Stundenlang im Cafe und erzählen vom bereits erlebten. Hier dreht sich die Welt ein klein bisschen langsamer. 

Es gibt einen kleinen Supermarkt und einen Wochenmarkt, sogar ein Vegetarisches Restaurant findet man hier. 

Es gibt leider nur zwei Banken, sodass man sich entweder mit einer Visacard oder genügend Zeit ausstatten sollte. Denn kubanische Rentner haben immer Vorrang um ihre Pension abzuholen und wenn man Pech hat ist am Nachmittag kein Geld mehr da. 

Das Anstellen in der Schlange ist ein geordnetes Chaos, man muss auch vorab wissen wie es funktioniert und da lassen sich die Kubaner auch nicht von abbringen. Man ruft in die Menschenmenge "el ultimo" also "der letzte", jemand hebt die Hand und man merkt sich genau wer vor einem in der Schlange steht.
Während man wartet unterhält man sich miteinander und hofft, dass das Geld heute mal nicht so schnell ausgeht. 

Wir haben einmal die Erfahrung gemacht, über drei Stunden am Schalter stehen zu müssen, bis wir Geld bekommen haben... 

Lange Wartezeiten gelten übrigens auch für Supermärkte, Fahrkarten und Taxen aber "hey, wir sind auf Kuba!" 

Die Haupttour, die in jeder Casa gebucht werden kann, ist die obligatorische Tour zur Kaffee und Tabakplantage. Kann man mitmachen, muss man aber nicht.

Besser ist es, sich auf eigene Faust fortzubewegen. Eine tolle Wanderung ist die ca. 7 km lange Tour zu Los Aquaticos. Einem auf dem Berg liegenden blauen Haus mit Blick auf das gesamte Tal. Oben angekommen, kann man selbstgemachten Zuckerrohr-Saft und Wein probieren. 

 

Havanna

Nach 4 Tagen im Vinales Tal geht es nach Havanna. Ich war schon ganz gespannt wie es sein würde, das große Havanna mit seiner schönen Altstadt, dem langen Malecon (Promenade) der Musik und den interessanten Menschen. Ich denke, dass man hier einige Wochen verbringen kann und immer noch nicht alles gesehen hat.

Die Altstadt ist wunderschön, bunt, lebendig und kubanisch. Aus den Restaurants der Stadt dröhnen kubanische Klänge. Bands spielen die Lieder des Buena Vista social Club und Tänzerinnen animieren die Gäste mitzutanzen. Touristenströme und Reisegruppen ziehen in Scharen durch die Straßen. An den Blicken der Touristen sieht man, wer gerade erst angekommen und wer schon länger im Land ist. 

Die erste Nacht waren wir im Casa in der Altstadt untergebracht, die uns leider nicht zusagte, sodass wir uns am nächsten Morgen entschieden in einen anderes, nicht allzu touristisches Viertel der Stadt zu ziehen. Wir lasen im "Lonely Planet" dass es ein Pancake-House gibt (Cafe Mamaine - Wer in Havanna ist und genug von Brot und Ei hat, sollte unbedingt hier frühstücken) das konnten wir uns nicht entgehen lassen. 

Zufällig entdecken wir direkt nebenan ein Casa Particulares Schild, wir klopften an und einige Minuten später hatten wir eine wunderschöne Bleibe für die nächsten beiden Nächte. Ein altes Haus im Kolonialstil. 

 

 

Der zweitgrößte Friedhof der Welt - Cementerio Cristobal Colon

Der gigantische Friedhof umfasst ein Straßennetz von 20 km und ist für viele Kubaner Friedhof und Pilgerstädte zu gleich. Zwischen den Marmor-Mausoleen gibt es einiges zu entdecken.

Oft erzählen Bibelsprüche, Fotos oder Schriftzüge über die Toten. Der Friedhof ist so groß, dass man am Eingang  einen Plan über die Schachbrettartigen Wege bekommt, da man sich schnell verlaufen kann. 

 

Das Grab der Amelia Goyri (rechts im Bild) auch bekannt als Wundertätige, ist ein Wallfahrtsort für Frauen und Männer auf der ganzen Welt, die sich ein Kind wünschen, oder für die Gesundheit ihrer Kinder beten. Sie starb 1901 an den Folgen einer Totgeburt, das Kind wurde zu ihren Füßen beerdigt. Beide Leichname wurden bei einer Sargöffnung 1914 nicht verwest aufgefunden, das Kind lag zu dem Zeitpunk an der Brust der Mutter. Ihr Mann kam bis zu seinem Tode 1941, jeden Tag her und kündigte sich mit einem Klopfen auf die Marmorplatten an, stellte Blumen hin und kehrte dem Grab nie den Rücken zu. Pilger führen diese Tradition fort. Rund um das Grab stehen Tafeln mit Danksagungen und Blumen für Amelia. Ein beeindruckender und magischer Ort!  

 

Mit dem Hershey-train nach Matanzas 

Die letzte Station bevor es zurück nach Hause geht, ist Matanzas. Eine unscheinbare Stadt, nicht besonders schön. Doch Matanzas ist die einzige Stadt, die von dem alten Hershey Zug angefahren wird.
Der Zug hat Anfang des Jahrhunderts Zuckerrohrplantagen angefahren und transportiert heute nur noch Einheimische in die umliegenden Dörfer. Die einfache Fahrt kostet umgerechnet 1,80€ und dauert ca. 4 Stunden. 

Wir lassen uns zum Bahnhof "Casa Blanca" fahren und tuckern im Schneckentempo los. Andere Touristen trifft man hier kaum, ganz nach unserem Geschmack. Wir genießen noch ein letztes Mal die tolle Landschaft bevor es Morgen wieder in Richtung Heimat geht. 

Ist Kuba teuer?

Die Preise liegen im Europäischen Durchschnitt. Wahrscheinlich sogar etwas günstiger. 

Unterkünfte findet man für ca.20-30€ pro Person. Eine Mittags/Abendmahlzeit liegt bei 5-7€. 

Da es keinerlei oder nur sehr wenig Supermärkte gibt, wird es mit der Selbstverpflegung schwierig. Das schlägt natürlich aufs Budget. 

Wer ein Budget von ca. 50€ - 70€ hat, kann auf Kuba angenehm reisen. 

 

Wichtige Hinweise

Kreditkarten funktionieren an einigen wenigen Automaten, jedoch nur die VISA-Karten. Dies garantiert nicht, dass die Automaten immer funktionieren, also immer genug Bargeld dabei haben!

Mit der Mastercard musst du immer an den Schalter gehen und brauchst zur Bargeldauszahlung immer deinen Reisepass. (Stand, Juli 2017)

Für die Einreise nach Kuba benötigst du eine Auslandskrankenversicherung für die Dauer des Aufenthaltes auf SPANISCH! Diese kannst du dir einfach bei deiner Auslandskrankenversicherung übersetzen lassen. Falls du noch keine hast, kannst du sie zum Beispiel bei der ADAC für 12,80€ beantragen. Der Versicherungsschutz gilt dann für 1 Jahr. 

Ebenfalls benötigst du vor der Einreise eine Touristenkarte. Falls du den Flug in einem Reisebüro gebucht hast, bekommst du deine Karte von der Reiseagentur. Ansonsten kannst du sie bei deiner Airline am Flughafen für 25-40€ erwerben. 

Ganz neu ist die Bestellung im Internet auf Cubavisa. Die Karte kostet auch hier 25€ plus Versandgebühr. 

 
Die beiden Währungen

Der Peso Convertible (CUC) wurde nach dem Verbot des US-Dollars als Ersatzwährung für Touristen eingeführt. Der Wert beträgt momentan etwa 1 Euro zu 1,12 CUC. Hotels, Casas Particulares, Viazul-Busse, Touristentaxis, Läden mit importierten Waren und die meisten Restaurants und Cafés schreiben ihre Preise in CUC aus.

Kubaner erhalten ihr Gehalt normalerweise in Pesos Cubanos (CUP), auch moneda nacional genannt. Damit bezahlen sie für lokale Lebensmittel auf Märkten, in einfachen Esslokalen und für Stadtbusse, Sammeltaxis und andere lokale Transportmittel. Im März 2016 betrug der Wechselkurs 1 CUC zu 24 Pesos Cubanos, und damit ist 1 Peso Cubano = 0,04 EUR. Auch als Ausländer kannst Du mittlerweile problemlos Pesos Cubanos besitzen und die günstigen Cafeterias, Restaurants und Transportmittel der Kubaner mitbenutzen!

 

 

Mein Kuba-Fazit

Das Land und die Lebensweise hat mich schon sehr beeindruckt! Der tägliche Kampf um Alltagsgegenstände macht das Leben der Kubaner nicht leicht. Dinge die man bei uns an jeder Ecke kaufen kann, sind rar und schwer zu besorgen.

Mir wird klar, dass vieles auf Kuba nicht selbstverständlich ist, doch die Not macht erfinderisch. Dafür gibt es hier noch echte Nachbarschaftshilfe. Man repariert, tauscht und borgt was das Zeug hält. 

Das Leben hier ist hart aber herzlich und wer sich in einer Casa verpflegen lässt, kann sich sicher sein, dass die Familie mehrere Stunden angestanden hat um alle Lebensmittel zu besorgen. 

Wer spanisch spricht wird wahrscheinlich mehr über das Leben und die Kultur kennen lernen. Man kann sich aber auch (so haben wir es gemacht) über Couchsurfing mit Einheimischen verabreden und sich mit ihnen austauschen. Dadurch haben wir wirklich viel über Land und Leute gelernt. 

 

Deswegen - Kuba ist IMMER eine Reise Wert!

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