Island - auf der Suche nach Elfen!

 Reykjavík - Vestmannaeyjar - Vik - Jökulsárlón - Reykjavík - Akureyri 

 

Eines Abends habe ich mir einen Floh ins Ohr gesetzt, ich müsse auch mal alleine auf Reisen.

Wieso auch nicht? Muss man sich immer nach irgendwem richten? Darf man als Frau eigentlich alleine Reisen? Und vor allem, habe ich Angst alleine zu Reisen? Ich sage mir NEIN zu all meinen Befürchtungen und Ängsten und schaue im Internet wohin man als Frau eigentlich alleine hin kann...! Eigentlich ja überall hin aber wo ist es einigermaßen sicher. Ich finde einen Bericht über Island und bin verliebt wie noch nie. Die Berge, Geysire und Hotsprings machen mich direkt an. Zwei Tage später habe ich meinen Flug gebucht.

Drei Wochen alleine durch Island, nur ich, mein Rucksack und die Natur. 

 

 

  

Im August sollte es dann losgehen, drei Wochen ohne eine Person die ich kenne! Auf dem Weg zum Flughafen merke ich wie ich nervöser werde und meine innere Stimme mich fragt, was zur Hölle ich da gerade mache!?! Leider wird es nicht besser als ich im Flugzeug sitze, vor allem weil ich keine festgelegte Route habe. nach der ich mich richten kann und mich zwei Jungs vom Flughafen abholen die ich zufällig über Couchsurfing kennen gelernt habe und das auch noch mitten in der Nacht. Oh man, ich überlege mir sogar kurz, ob ich meinen Rückflug schon früher antreten soll, weil ich bedenken habe, mich alleine zu fühlen. 

 

Im nachhinein kann ich nur sagen, es war die BESTE Reise meines Lebens und ich würde es definitiv immer wieder so machen!!

 

Ich komme also in Reykjavik, der Hauptstadt an und treffe Hung-Chee aus Hong Kong und Lukasz aus London. Beide haben vorher eine Wanderung in der Nähe gemacht und kamen zufällig am Flughafen vorbei. Sie setzen mich wie geplant an meinem Hostel ab und von ihnen erfahre ich, dass sie das Auto für 10 Tage gemietet haben und in den Osten der Insel fahren. Sie haben noch einen Platz frei und wenn ich Lust hätte könnte ich mit! Zwei Tage später sitze ich mit den beiden und Juana aus Norwegen im vollgepackten Auto gen Osten...!

 

Aber zunächst muss ich die zwei Tage alleine in Reykjavik rumkriegen. Ich checke ins Kex Hostel (ein Insider-tipp) in mein 16-er Bunk Bed Zimmer ein und mache wie zu erwarten kein Auge zu. Unten in der Bar war ein Konzert einer Rockband und alle paar Minuten kam und ging ein anderer Gast aus dem Zimmer. Nun gut, die erste Nacht ist geschafft und ich schlenderte den nächsten Morgen zum nächsten Supermarkt und zahle für zwei Brötchen, Käse und Kaffee stolze 14 Euro...! Ein Schnäppchenurlaub wird das also nicht!, denk ich mir!! 

Die beiden Tage verbringe ich damit mir die Highlights der Stadt anzuschauen und eine kleine Bootstour zur Nachbarinsel zu machen. Die Stadt ist so klein, dass ich immer wieder die gleichen Menschen treffe und als ich zum dritten Mal am gleichen Tag ein kanadisch/italienisches Pärchen treffe, kommen wir ins Gespräch. Wir trinken eine Kaffee zusammen und verabreden uns Abends zum Barhopping in der Stadt. Wir lernen noch einige andere Backpacker und einen Einheimischen kennen und meine Reisepartner für die nächsten Wochen stehen nun fest.

Ich war gerade mal einen Tag in einem fremden Land und fühlte mich auf einmal alles andere als einsam. 

 

Tag drei bricht an und wie geplant holen Hung Chee, Lukasz und Juana mich ab. Wir fahren auf der Ringroad, die einmal um die Insel führt Richtung Osten und sehen gewaltige Wasserfälle, den Geysir, der alle paar Minuten Tonnen von Wasser in die Luft schießt und eine atemberaubende Landschaft. Auf der Straße kommt uns maximal alle viertel Stunde ein Auto entgegen und Richtung Osten treffen wir immer weniger Touristen. ganz nach unserem Geschmack! Die beeindruckensten Wasserfälle sind der Seljalandsfoss, hinter den man sogar gehen kann, der Skogafoss und der Gullfoss. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass Island solch einzigartige und gigantische Wasserfälle besitzt. Wir können alle gar nicht glauben was wir sehen und vor allem, dass wir nahezu die einzigen Touristen vor Ort sind. Ein Wasserfall ist schöner als der andere. 

 

 

 

Jökulsárlón

Unser östlichstes Ziel für den Roadtrip ist die Gletscherlagune Jökulsárlón ca. 380 km von Reykjavik entfernt. Nach drei Tagen erreichen wir diese und übernachten zwischenzeitlich in Zelten oder wem es zu kalt war im Auto. Immer wieder halten wir an um die tollen Aussichten zu genießen oder um eine Wanderung einzuschieben.

 

Als wir in Jökulsárlón ankommen, sind wir mal wieder beeindruckt bis über beide Ohren. Die Wucht und Magie trifft uns wie ein Schlag ins Gesicht. Die weißen Eisberge schwimmen im Wasser hin und her und einige werden durch die Meeresströmung hinausgespült. Hung Chee (Biologe) erklärt uns, dass wir etwas sehen, was es in 40-50 Jahren durch die Erderwärmung nicht mehr geben wird. Die Eisschollen werden schmelzen und man wird die riesen Blöcke aus Eis nie wieder bestaunen können. Wieder ein wunderbarer Ort, der durch den Einfluss des menschlichen Wesen und das westliche Leben zerstört wird...! Trauer und Wut macht sich breit. Wir bleiben noch einige Stunden dort um die Magie zu verinnerlichen und sehen plötzlich eine Robbenfamilie, die sich kopfüber von den Eisschollen schmeißt. Immer wieder tauchen die Köpfe oder Flossen am Meeresspiegel auf und ab. 

Ich bin mir sicher, dies ist der schönste Ort, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe! 

 Auf nach Vestmannaeyjar Island

Diese Insel liegt 30 km südlich Islands und ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Einige Wanderungen haben wir uns rausgeguckt und wollen unbedingt einen Vulkan besteigen. 

Die Fahrt mit der Fähre, ist schon ein echtes Abenteuer für sich. Wir, samt Auto werden auf dem Schiff ordentlich durchgeschaukelt. Die Wellen sind so hoch und platschen mit voller Wucht an die Fähre. Im vorbeifahren der Insel sehen wir sogar ein paar Puffins, die schwarz-weißen Papageientaucher (Vögel), die es nur in Island zu sehen gibt. 

Angekommen auf der Insel, peitscht der Wind uns dermaßen um die Ohren, dass uns die Mützen fast wegfliegen. Vestmannaeyjar Island ist die windigste Insel Europas. 

Wir fahren mit unsrem Jeep und sehen eine hügelige Landschaft aus schwarzer Asche und Schutt, als hätte man uns auf den Mars deportiert. Es gibt nur ein paar wenige Häuser und die meisten Menschen auf der Insel sind Fischer. 

Mit unserem Wagen fahren wir eine Runde über die hügelige Straßen, die einer Rallye-Strecke gleicht. 

Für die Nacht haben wir uns ein Gartenhaus gemietet, welches ein Isländer hinter seinem Haus nur für Gäste gebaut hat. Wir sind erschöpft von den letzten Tagen und müssen alle Eindrücke zuerst einmal verarbeiten. So viel haben wir schon gesehen, in so kurzer Zeit. So viel einzige Natur, die von Ort zu Ort noch beeindruckender wird.

Ich bemerke im Haus sofort, dass es nur ein Schlafzimmer, mit vier Betten gibt. Zum ersten Mal habe ich ein seltsames Gefühl im Bauch. Mit drei fremden Reisenden im Zimmer zu schlafen und dann auch noch Männer! Wir sind auf einer einsamen Insel, weit weg der Zivilisation, der Hausherr spricht nur Isländisch, mein Handy funktioniert nicht und Internet gibt es auch nicht. Na prima, denke ich mir und versuche mich den ganzen Abend nicht weiter in meine Bedenken reinzusteigern. Ich habe schon oft in Hostels geschlafen und mit fremden Männern und Frauen in einem Zimmer geschlafen. Noch nie hat es mir etwas ausgemacht, denn das Ziel jedes Reisenden ist gleich und böse Absichten haben die meisten nicht. Außerdem gibt es immer Angestellte, die man in Notfällen um Hilfe fragen kann. Hier ist es leider etwas anders...

Ich versuche professionell alle negativen Gedanken auszublenden und mich einfach auf meine Menschenerkenntnis zu verlassen und die sagt mir, dass alles in Ordnung ist. Als ich im Bett liege, schlafe ich binnen einiger Minuten ein, sowie meine Mitreisenden. 

 

Nur weil man alleine reist, bedeutet es nicht keine Angst oder Bedenken zu haben. Man sollte definitiv sensibler für seine Umwelt und seine Mitmenschen sein und sich oftmals auf das Verlassen, was das Bauchgefühl einem mitteilt. Im Nachhinein waren meine Befürchtungen ganz umsonst und die 10 Tage mit den Jungs waren großartig! 

Trampend weiter in den Norden

Nach ein paar Tagen Ruhe und Erholung in Reykjavik, mit einem Tag schlamm-baden in der Blue Lagoon in der Nähe des Flughafens packt mich wieder die Reiselust und schnell lerne ich Katja aus Deutschland kennen, die es auf den Norden der Insel, auf Hot Springs und Wasserfälle abgesehen hat.
Schnell sind wir uns einig über die Destinationen, verpassen nur leider oder glücklicherweise den einzigen Bus nach Akyureri. Wir versuchen uns im trampen und werden promt von Julia, einer weiteren Deutschen mitgenommen, die in Akyureri auf einer Pferdefarm volontiert. 
Wir dürfen sogar auf dem Geländer der Farm campen und Katja meldet uns promt zum reiten der Islandpferde am nächsten Tag an. Ein echtes Erlebnis für mich, die noch nie vorher auf dem Rücken eines Pferdes saß. Wir reiten den ganzen Vormittag über Wiesen und staunen über die atemberaubende Landschaft des Nordens. Ein großes Gefühl von Freiheit macht sich in mir breit und ich bin dankbar für jeden Augenblick den ich auf Island erleben darf. 

 

In der Nacht geschieht noch ein weiteres Highlight, welches ich mir nie zu träumen lassen habe...

Abends werden wir noch von der Julias Gastfamilie zum Essen eingeladen und verbringen eine herzliche Zeit mit allen anderen Gästen. Als wir uns für die Nacht verabschieden und die Türschwelle nach außen betreten ist der gesamte Himmel durchzogen mit grünen, tanzenden Nordpolarlichtern. Wir trauen unseren Augen kaum und selbst die Kälte ist wie weggeblasen. Die Lichter tanzen am Himmel friedlich vor sich hin und bewegen sich in Bahnen hin und her, als würden sie und einen Tanz vorführen. Ich bin mächtig beeindruckt, so ein Naturspektakel habe ich zuvor noch nie erlebt. Wir kauern uns in unsere Schlafsäcke, legen uns auf den Rücken, um in den Himmel zu gucken und werden diesen Augenblick nie wieder vergessen. 

 

Hot Springs über Hot Springs

Da der Norden noch viel kälter als der Süden ist und die Öffentlichen Verkehrsmittel nicht frequentiert fahren, ist es hier zum Glück nicht so touristisch wie im Süden. Da lohnt es sich schon, die Hot Springs in der gegen abzuklappern, auch wenn die Wege dahin beschwerlicher sind.
Selbst die Wanderwege der Wasserfälle haben wir fast für uns alleine und campen riskieren daher auch ab und zu ein Wildcamping. Solange man nicht allzu nah der Wasserfälle campt und seinen Müll immer schön mitnimmt, ist das auch gar kein Problem. 

Island, du hast mein Herz erobert

Wenn ich heute über Island spreche, komme ich immer noch ins schwärmen. Ich bin noch nie so positiv überrascht von einer Reise zurück gekommen. Die Gegensätze, die unberührte Natur und die tollen Menschen haben ein Stück meines Herzens erobert und ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Alleine auf Island zu reisen, war wirklich die Beste Entscheidung meines Lebens. Und eins habe ich für mich festgelegt, ich werde mich nie mehr über die Winterkälte in Deutschland beschweren!!! 

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