Vietnam - Von Hoi An bis Hanoi in 15 Tagen

 

Stechende Hitze und verbrannter Müll lassen die Augen tränen. Chaos auf den ersten Vietnamesischen Metern. Autos und hunderte Motorräder fahren regelfrei wie große Fischschwärme auf den Straßen. Permanentes hupen, ausweichen, überholen. Der Taxifahrer verzieht dabei nicht eine Miene. Telefonierend und mit nur ein paar Zentimetern Abstand zum Vordermann, fahre ich ca. 50km vom Flughafen Da Dang nach Hoi An. Der Fahrer spricht kein Englisch. Beruhigender Smalltalk bleibt daher aus. 

Vier Tage komme ich aus dem staunen nicht raus und habe bei jedem überqueren der Straße herzrasen. Zebrastreifen und Ampeln beachtet hier keiner. Niemand regt sich über das Fahrverhalten anderer auf. Wo kein Richter, da kein Henker.

 

Die kleine familiengeführte Pension in Hoi An befindet sich außerhalb des Stadtkerns. Sofort werde ich von der Familie zum Essen eingeladen und unterhalte mich mit Händen und Füßen. Die Begrüßung ist herzlich und ehrlich.

 

Hoi An

Die Stadt in Zentral Vietnam ist klein, überschaubar, hat einen Strand und ist wunderschön. Der Stadtkern besteht komplett aus Altstadt. Autos haben hier keine Zufahrt. Restaurants reihen sich an Schneidereien und bunte Laternen zieren die Straße. 

 

Sobald der Mond die Sonne ablöst, fahren Vietnamesen ihre Garküchen raus und besetzen den Nachtmarkt auf der Nguyen Hong Street.Hier gibt es sensationelles Street Food und noch mehr Shoppingmöglichkeiten.

Hat man genug von der Stadtidylle, setzt man sich aufs Fahrrad und radelt zum An Bang Strand, der sich ca. 5km vom Stadtkern entfernt befindet. Fahrräder kann man in nahezu jedem Gästehaus umsonst ausleihen.

 

Ein weiteres Highlight ist ca. 40 Kilometer von Hoi An entfernt. My Son ist eine Tempelstadt und wurde zum Weltkulturerbe erklärt. Die Ruinen wurden im Krieg teilweise stark zerstört, sehenswert sind sie dennoch. 

 

Hoteltipp: Anh Nhung Guesthouse 

Bestes Essen: What´s else / Rosies Cafe 

Hue

Von Hoi An geht es per Taxi und Zug weiter in die 120 km entfernte Kaiserstadt Hue. 

Die Stadt ist bekannt für die Zitadelle, die einst als Residenz der Kaiserfamilie diente. Der Palast wurde nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking erbaut und ist heute ein Unesco-Welterbe.

Das Areal ist riesig und eignet sich sehr gut für einen ausgedehnten Spaziergang. Die bunten Torbögen und die Zitadelle, die bei Nacht die Farben wechselt, sind absolut sehenswert. 

 

Verstreut in und um Hue herum, befinden sich schöne Pagoden und ein verlassener Wasserpark, der 2004 stillgelegt wurde. Den verlassenen Thuy Teen Lake Wasserpark zu besichtigen, ist auf der einen Seite skurril auf der anderen gespenstisch. Man sollte ihn dennoch nicht missen. 

 

Vegetarier kommen in Hue voll auf ihre Kosten. Die Stadt ist bekannt für ihre zahlreichen fleischfreien Restaurants und für ihre Hot Pots. Hierbei bekommt man eine heiße Platte + Topf und alle Zutaten um sich ein Pho (vietnamesische Suppe) zu zaubern. Besonders empfehlen kann ich hier das Lien Hoa. Hier Speisen überwiegend Einheimische und Mönche. Noch ein Geheimtipp ist das Nook Café, welches westliches Frühstück, Burger und selbstgemachtes Müsli serviert. 

 

Der Stadtkern selber fungiert als Partyzentrum für Backpacker jeden Alters. Die Bars versuchen sich durch die Lautstärke der Musik zu übertrumpfen und locken mit billigem Alkohol.

 

Hosteltipp: Daisy Hostel Hue

Bestes Essen: Lien Hoa / Nook Cafe 

Phong Nha

Endlich auf in die Natur! Phong Nha Stadt besteht aus einer Straße, die vollgepackt ist mit allem, was ein Reisender so braucht. Hostels, Restaurants, Rollerverleih und Bars. Drum herum befinden sich einige Highlights Vietnams und eines der größten Höhlensysteme der Welt.

Paradise Cave

Diese Höhle wurde vor ca. 10 Jahren von Einheimischen entdeckt und ist erst seit 5 Jahren für Besucher zugängig. Sie ist ca. 31km lang und damit wahrscheinlich die längste, trockene Höhle in ganz Asien. Sie kann für 250.000VND (8.90€) besichtigt werden. 

Die Dark Cave ist für all diejenigen, die ein bisschen mehr Action brauchen. Neben der Besichtigung der 6km langen Höhle gehört eine Runde Ziplining, eine Kajaktour und ein Schlammbad zum Programm. Der Preis hierfür beträgt 450.000VND (16€)

Fußläufig vom Stadtkern entfernt befinden sich die Schlepperboote für die Phong Nah Cave. Das Boot fährt ca. 10 Minuten bis zum Eingang zur Höhle. Der Preis für das Boot liegt bei 360.000VND(12.5€) und kann mit bis zu 14 Personen geteilt werden. Der Eintritt für die Höhle beträgt dann weitere 150.000VND(5.4€) pro Person. 

 

Wer genug von Stalaktiten und Stalagmiten hat sollte unbedingt den Botanic Garden besuchen. (Eintritt 22.000VND (0.8€) Neben den drei Rundwegen gibt es hier einen Wasserfall, den man von unten nach oben raufklettern kann. Ebenfalls gibt es ein Gehege mit Affen, welches der Rehabilitation dienen soll. Leider konnte mir niemand hier mehr zu den Affen berichten. 

 

Ein echter Geheimtipp ist die Bomb Crater Bar, die sich etwas außerhalb der Stadt befindet. Die Bar besitzt Hängematten und Schwimmringe um im Fluss zu baden. Die Bar wird geführt von einem unglaublich netten australischen Paar, welches vor 7 Jahren nach Vietnam ausgewandert sind. Von der Bar aus, kann man sich ein Boot mieten und über den Fluss zu zwei sehr abgelegene Restaurants/Bars (Pub with cold Beer/ the Duck stop) schippern lassen. 

 

Nicht weit entfernt der Bomb Crater Bar befindet sich das Hotel Greenfield Homestay. Dieses Juwel wird geführt von Mr. Leo. Die Mitarbeiter kommen alle aus dem Dorf nebenan und bauen das Gemüse selber an. Der Besitzer organisiert regelmäßig Parties am Lagerfeuer, vermietet Roller und hält Fahrräder für seine Gäste bereit. 

 

Hotel/ Hostel: Greenfield Homestay / Nguyen Shack 

Bestes Essen: Nguyen Shack 

Ninh Binh

Mit dem Nachtbus dauert es ca. 8 Stunden bis man in Ninh Bin ankommt. Ninh Bin liegt 2 Stunden südlich von Hanoi und ist bekannt für seine riesigen Tempelanlagen und für das nahegelegene kleine Dörfchen Tam Coc. Die Region ist sehr weitläufig und die Sehenswürdigkeiten daher einige Kilometer entfernt. Am besten leiht man sich für ein paar Tage einen Roller um das ganze Ausmaß der Schönheit zu sehen.

 

In Tam Coc liegt der Hang Mua (Eintritt 100.000VND = 3.6€) auch bekannt als Mua Cave. Den Gipfel des Berges erklimmt man nach 500 Stufen und hat dann eine Wahnsinns Aussicht auf die trockene Halong Bucht, Reisfelder und die umliegenden Dörfer. Eine Drachenstatue ziert den Gipfel des Hang Mua. Hierfür muss etwas geklettert werden.

Vorsicht vor der Parkplatzmafia, die ankommende Roller ranwinkt um für den Parkplatz zu zahlen. Am besten parkt man im Nguyen Shack nebenan. Das Nguyen Shack ist eine Bungalowkette und verfügt über ein Restaurant mit einmaligem Blick in die Natur.  

 

Ebenfalls schön für einen halbtägigen Ausflug ist die Bai Dinh Pagoda. Zwar zahlt man hier für alles extra (Parkplatz, Fahrt zur Tempelanlage, Fahrt zurück zum Parkplatz) bekommt aber dafür den größten Tempelkomplex Süd-Ost Asiens zu sehen. Der Weg rauf zum größten Tempel ist geebnet mit Hunderten von Buddhastatuen. Die einzelnen, kleinen Tempel können ebenfalls besichtigt werden. 

 

Hoteltipp: Nguyen Shack Ninh Binh

Bestes Essen: Cookies 

Cat Ba Island

Möchte man die Halong Bucht ohne all die Touristenströme besichtigen, sollte man nach Cat Ba Island reisen und von dort aus eine Tour buchen. Die Insel ist ca. 3 Stunden mit dem Bus von Hanoi und 4 Stunden von Ninh Bin entfernt. Eine kurze Fährtfahrt trennt die Insel mit dem Festland, von da an wird es ganz schön ruckelig bis man in Cat Ba Stadt ankommt. 

 

Von Cat Ba Island gibt es 1-3 Tagestouren in und um die Halong Bucht. Dazu gehören ein Besuch auf den Floating Islands (Schwimmende Inseln) - hier haben sich Einheimische mithilfe von Fässern, Inseln gebaut und betreiben Fischzucht. Einige von ihnen haben sogar Homestays und Restaurants und holen ihre Gäste auf Cat Ba Island ab. 

Zu den Tagesausflügen gehört auch immer eine Kajaktour durch das Höhlensystem und in die schönsten Buchten der Gegend. Empfehlen kann ich hier den Reiseveranstalter Cat Ba Ventures. Die Tagestour mit Mittagessen kostet umgerechnet ca. 23€.

 

Die Insel besitzt neben dem Nationalpark viele schöne Strände, die derzeit leider nicht ohne Baulärm zu genießen sind. Um mehr Touristen auf die Insel zu locken werden Hotelresorts direkt neben den Strand gebaut, sodass einige von ihnen derzeit gar nicht zu betreten sind. 

 

 

Hoteltipp: Trang Anh Seaview Hotel  

Bestes Essen: Monas Restaurant (unbedingt auf die Dachterrasse) 

Hanoi

Die Hauptstadt des Nordens ist durch sein Old Quartier - Altes Viertel noch sehr ursprünglich und traditionell. Es gibt viele kleine Garküchen direkt auf dem Bürgersteig platziert mit winzigen Tischen und Stühlen. Der Straßenverkehr ist wahnsinnig. Millionen von Rollern transportieren einfach ALLES, zu jeder Tages und Nachtzeit. Am besten läuft man durch die quirligen Straßen und lässt sich vom Flair treiben. 

Der Hoan-Kiem-See, mitten in der Stadt sorgt hierbei für ein wenig Ruhe und die wohl einzige rollerfreie Zone. 

Abends, gibt es wohl wie in jeder Süd-Ost Asiatischen Stadt einen riesigen Nachtmarkt. Hier sollte man unbedingt den frisch gepressten Zuckerrübensaft probieren. 

 

Hosteltipp: The first Hostel Hanoi 

 

Mein Fazit: 

Die freundliche und authentische Arte der Vietnamesen ist bewundernswert. Oft lässt man mich in Pensionen übernachten, ohne meinen Namen zu wissen oder gibt mir einen Motorroller, ohne vorher Geld oder Reisepass zu verlangen. 

Ein Mal vergesse ich mein Handy im Taxi. 20 Minuten später steht der Fahrer mit dem Handy in der Hand vor mir und möchte selbst mein monetäres Dankeschön nicht annehmen. 

 

Bei Vietnam scheiden sich die Geister. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Du solltest dich daher nicht von Meinungen anderer beeinflussen lassen, wenn du über eine Vietnamreise nachdenkst. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Rainer A. (Mittwoch, 04 April 2018 22:16)

    Hallo, war selbst im Februar dort und kann sagen wir haben die gleichen Erfahrungen und Eindrücke gesammelt. Stimmt zu 100% der Beitrag :-). Ich selber bin positiv überrascht von Vietnam. Schön geschrieben.